Wie die Zeit vergeht
Vergangen Sonntag hatte ich ein Shooting mit jemand der schon einmal bei mir gewesen ist. Leute mit denen ich gerne zusammen Arbeite und denen es auch Spaß macht dürfen in der Regel meist noch einmal vorbei schauen. Timo war 2008 das erste Mal bei mir. Mit seinem Shooting schloss ich das Jahr damals ab. Nun war es nach zwei Jahren wieder so weit.
Ich finde es spannend wie sich jemand verändert in einem doch eigentlich so kurzem Zeitraum. Damit meine ich nicht einmal sehr große Veränderungen. Gerade die kleinen Dinge machen es aus. Vielleicht schauen wir deswegen gerne Bilder von damals an? Timo hat auf jeden Fall seinen gefühlvollen Blick und seine lockere Art behalten.
Heute habe ich kein Making Off wie die vergangen Wochen für euch. Sondern möchte wieder etwas zur Postproduktion schreiben. Die geht bei mir doch etwas unter. Dazu habe ich euch mal ein Vorher-Nachher-Vergleich zusammen geschnitten. Plus extra die Ebenen Palette, einmal schön beschriftet, in der Mitte. Es gehört gar nicht viel zu einer guten Nachbearbeitung. Was ihr leider nicht sehen könnt ist der Teil, den ich in CameraRAW schon aus dem Bild heraus geholt habe. Das werde ich demnächst extra schreiben. Jetzt erstmal gibt es einen kleinen Überblick wie ich vorgehe:
1. Retusche
Der nervigste Teil bei der ganzen Sache ist die Retusche für mich. Denn diese muss bei jedem Bild wiederholt werden und macht nach 6-8 Bilder nicht mehr so viel Spaß. Trotzdem muss man hier sehr sorgfältig Arbeiten. Denn einmal nicht aufgepasst mit dem Retuschepinsel (ich arbeite old-school mit dem Reparaturpinsel, bei dem man die Quelle selbst angibt) schon verschmiert ein Bereich. Augenringe und hässliche Schatten können gut über eine neue leere Ebene und dem Stempel ausgebessert werden. Wichtig dabei: der Pinselmodus muss auf Aufhellen stehen und die Deckkraft sollte bei 10-16% liegen. Wenn die Person fertig ist, kümmere ich mich noch um den Hintergrund. Bei Timo war es in dem Fall rechts eine Haltestange und oben ein Fensterrahmen die aus dem Bild entfernt werden mussten. Ein Versuch wert in CS5 ist die Inhaltssensitive Reparatur. Objekt auswählen Umschalt+F5 drücken, Inhaltssensitiv auswählen und mit OK Bestätigen. Das kann oft gut klappen. Nur wie Adobe im Werbevideo zeigt, lässt sich damit kein Pferd aus dem Bild ohne sichtbare Rückstände entfernen.
2. Korrekturen
Wer gut in CameraRAW arbeitet kann sich hier einiges an Arbeit sparen. Doch gewisse Korrekturen lassen sich nur in Photoshop erzielen. Eine auch für mich neue Methode ist die erste Schärfung mittels Hochpassfilter. Dazu kopiere ich die letzte Retusche Ebene (STRG+J) und stelle den Füllmodus auf Weicheslicht. Darauf wird der Filter angewandt. Wie stark bleibt euch überlassen. Ich bewege mich meist in einem Rahmen von 10-25%. Stärker ist durch aus möglich wenn es zum Bildstil passt. Da ich verliebt in Gratationskurven bin nutze ich diese auch sehr gerne. Mit einer Kurve Setzte ich zuerst den Schwarz- und Weißpunkt. Dadurch bekommt man eine leichte Kontrastverstärklung. Vorsicht ist aber geboten, wer die Beschneidung zu weit zieht verliert Tonwerte.
3. The Look – mein Stil
Der kreative Teil der Arbeit an einer Aufnahme ist, wenn es um den Stil geht. Wie der aussieht weiß ich vorher nie. Das sagt mir das Bild während ich es bearbeite. Aber auch dafür gibt es gewisse Techniken. Zum einen Male ich gerne mit “Licht und Schatten” um gezielt Tiefe in die Aufnahme zu bekommen. Und das ist gar nicht so schwer. Eine neue leere Ebene im Modus Weicheslicht oder Ineinanderkopieren erstellen, weiße und schwarze Farbe und am besten ein Stifttablet Schatten dunkler und Lichter heller malen. Mit der Maus braucht es sicher Übung und man wird mit der Deckkraft spielen müssen. Der eigentliche Look im Bild oben ist durch die Kurve entstanden, in der ich im Blaukanal die dunklen Töne angehoben aber die Mitten fixiert habe. So ergibt sich ein warmer Gelbton mit einem Blaustich in den Tiefen. Um das abzurunden gebe ich gerne im Rotkanal auch in den Tiefen etwas zu. Damit es aber keine ganz farbenfrohe Angelegenheit wird endsättige ich gerne über eine Verlaufsumsetzung das Bild etwas.
4. Finish
Zum Schluss Kopiere ich alle vorherigen Schritte auf eine neue Ebene mit ALT+STRG+UMSCHALT+E und zeichne diese mit dem Selektiven Scharfzeichner nach.

