weniger ist mehr
Letzten Sonntag war wieder einmal Patrick bei mir. Groß geplant hatten wir nichts. Auf meinem Infozettel, den ich für jedes Shooting schreibe, hatte ich als Location nur „Wiesen und Felder“ vermerkt. Unser erstes Ziel hieß: Rheinbrücke. Zum einen gibt es dort recht viel Grün, Felder und es liegt direkt am Rheinufer.
Was hat es mit dem Titel des Posts auf sich? Der bezieht sich auf das Equipment. Viel schleppte ich nämlich nicht mit. Ein kleines Stativ, den kleinsten Bouncer und die Kamera mit der 50mm Festbrennweite. Habt keine Angst auch mal einfach etwas daheim zu lassen und nur wenig oder einen Teil eurer Ausrüstung mit zu nehmen. Denn dann konzentriert ihr euch wesentlich mehr auf das Model und seid viel kreativer, was den Einsatz der euch zur Verfügung stehenden Hilfsmittel angeht.
Zugegeben hatte ich davor auch etwas Bammel. Aber da Patrick mich gut eine dreiviertel Stunde zu früh abgeholt hatte, schnappe ich wirklich nur das was ich gerichtet hatte.
Wie bin ich an die Aufnahmen rang gegangen? Zum einen habe ich diesmal, zum ersten mal sogar, ISO 50 verwendet und die Blende durchweg auf 2.8 belassen. Kümmern musste ich mich also rein um die Belichtungszeit.
Diese habe ich meistens mit dem Belichtungsmesser eingemessen und gegeben Falls noch etwas verlängert oder verkürzt. Viele kennen das kleine Kästchen sicher nur aus dem Studio um die Blitzanlage feinzumessen. Aber auch für draußen bietet ein Belichtungsmesser einige Vorteile. Wichtig ist nur: er muss Tageslicht bzw. Dauerlicht messen können. Einige Geräte können nur Blitzlicht messen und werden oft unter „Flashmeter“ vertrieben. Außerdem sind gute Belichtungsmesser nicht billig. Alternativ könnt ihr auch über die Kamera direkt messen. Blendenvorwahlmudus, Spot als Messmudus und eine Probeaufnahme tätigen.
Aufnahme I
Das erste Bild haben wir auf den Steinreihen, die in den Rhein ragen, aufgenommen. Da könnte ich mir sehr gut ein Shooting früh morgens vorstellen, wenn eventuell etwas Nebel oder Dunst über das Wasser zieht… Aber zurück zur Aufnahme: Patrick konnte sich schön die Sonne auf den Rücken scheinen lassen, während ich schnell die Schuhe bei Seite schmiss und ins Wasser stieg. Es war ein Höllenwind da draußen. Mit der linken Hand hielt ich den Reflektor und mit der andern fotografiterte ich unter dem Bouncer durch. Nichts für Anfänger sage ich mal. Denn gegen den Wind stemmen, auf den Reflektor auchten, das der auch dort hin Licht bringt wo es hin soll und noch auslösen ist nicht einfach.

Aufnahme II
Auch für das nächste Bild reichte alleine der kleine Bouncer aus. Diesmal aber um Schatten zu machen. Wenn man nun den Schattenbereich (Gesicht) ausmisst und die Werte überträgt wird der Hintergrund überbelichtet und sorgt für eine Freistellung. Auch die Nachbearbeitung in Photoshop ist nicht aufwändig. Die Rohaufnahme ist überwiegend sehr hell. Das greift man am besten auf und „schiebt“ die Aufnahmen jetzt noch weiter in die Überbelichtung. Wichtig ist aber: nicht die Tiefen zu verlieren. Denn dann fehlt euch eine Plastizität in eurer Aufnahmen. Sie wirkt flau und kraftlos. Nehm eine Kurve und zieht bei dieser nur die Lichter nach oben und schützt die Tiefen durch einen Fixpunkt.

Aufnahme 3
Ich wollte unbedingt auch mal etwas in einem Feld machen. Also fuhren wir quer durch die Stadt in Richtung Epplesee. Dort gibt es die größte Fläche an Felder in der nähern Umgebung von Karlsruhe.
An der Stelle eines vorweg: Bitte nicht wild in Feldern rumtrampeln, sondern am besten die Traktorspuren nehmen. Denn es ist keine „Landschaftsdeko“, sondern Lebensgrundlage für den Landwirt, mit der man achtsam umgehen sollte.
Für das folgende Bild habe ich noch nicht einmal den Bouncer benutzt. Denn man darf auch gerne mal einfach die Sonne so mit ins Bild nehmen wie sie ist. Ihr solltet aber darauf achten, das dann auch der Blick eures Models zur Sonne geht, damit nicht eine Gesichtshälfte im fast schwarzen Schatten liegt. Diesmal lag die Belichtungszeit bei 1/1000 Sekunde und ebenfalls bei f2.8 und ISO 100. Wobei ihr generell aufpassen solltet, ist wo die Schärfe in eurem Bild liegt.

Denn gerade bei großen Blenden können 2 Zentimeter mehr oder weniger Abstand zum Model schon alles verändern. Das war auch für mich Anfangs mit dem 50mm 1.4 nicht einfach. Hilfreich sind hierfür die Messfelder eure Kamera. Mir stehen in dern 5D Mark II insgesamt 9 Felder zur Verfügung. Achtet also darauf, kontrolliert die Aufnahmen und macht lieber eine mehr. Es gibt auch Freaks die auf manuelen Fokus schwören. Wer das kann okay… Aber gerade bei der Arbeit mit Modellen kommt es auf Schnelligkeit an. Wer da noch selbst scharfstellen will…
Postproduktion
Da es ja die letzten Wochen etwas mager war mit Posts habe ich mich spontan entschieden euch noch ein Teil Postproduktion mit anzuhängen. Am besten genau zu dem Bild oben. Denn es sieht so unscheinbar einfach aus… ich werde es mit euch anhand der Ebenen durch gehen:

Ich schulde euch immer noch eine Post über RAW Entwicklung. Denn das war auch diesmal der erste Schritt.
Retusche
Ein bisschen hier ein bisschen da. Retusche ist immer das selbe und doch anders. Nicht jedes Gesicht ist gleich und nicht bei jedem greift alles gleich gut. Da müsst ihr euch selbst Techniken anschauen, aneignen oder entwickeln, die für euch am besten passen. Ich zum Beispiel arbeite gerne mit dem Reparaturpinsel.
Schärfen
Ebene kopieren, Füllmodus auf „Weiches Licht“ legen und mit dem Hochpassfilter arbeiten. Am besten die Ebene vorher in ein Smart Objekt umwandeln, dann könnt ihr den Filter immer noch einmal anpassen. Vorsicht! Nicht zu viel, denn sonst bekommt ihr unschöne Säume.
Anschließend mit dem Befehl ALT+STRG+UMSCHALT+E eine neue Ebene erzeugen, die alle darunterliegenden Ebenen zusammen rechnet.
Gras dunkler
Die Gesamtkopie duplizieren STRG+J und auf den Füllmodus „Hartes Licht“ legen. Ihr könnt es auch gerne mit einem andern Modus versuchen. Aber generell biete die Verrechnungsarten viele Möglichkeiten ein Bild anzupassen. In diesem Fall sollte das Gras mehr Zeichnung erhalten. Deswegen noch eine Maske (schwarz) anlegen und die Grasstellen mit weißer Farbe freimalen.
Korn
Die ebene liegt zwar recht weit unten. Ist aber erst gegen Ende ins Bild gekommen. Erstellt habe ich diese über ein Plug In in Photoshop. Mehr gehe ich da drauf nicht ein. Denn das hat eben nicht jeder.
Andere Möglichkeit wäre der Korneffekt von PS selbst. Dann aber bitte diese Ebene noch Weichzeichnern, damit die Kornpixel weicher sind.
WB Korrektur
Mache ich zum Teil schon in RAW. Ist auch sinnvoller es dort zu machen. Doch manchmal sind die Kurven in Photoshop auch sehr gut. Und wer noch in JPG aufnimmt sollte das auch wie folgt angehen: Ihr könnt es über die Auto Funktion versuchen. Das geht eigentlich recht gut! Wenn nicht, dann gibt es links drei Pipetten. Eine für Tiefen, eine für Mitten und die oberste für Lichter. Jetzt müsst ihr euch in eurer Aufnahme Bereiche suchen, die näherungsweise in die Bereiche passen. Lichter und Tiefen findet ihr recht einfach. Achtet darauf, dass die Farbwerte nicht mehr wie plus minus 2 Werte von einander entfernt liegen. Sonst kommt es zu Verschiebungen. Kontrollieren könnt ihr das über die Infopalette. Mitteltöne zu finden ist recht schwer. Wenn ihr keine trefft, dann weg lassen.
Endsättigen
Sollte selbst erklärend sein. Ob ihr es nutzt bleibt euch über lassen. Aber zu meinen Stil gehört immer eine ebene die die Farben wieder etwas zurück drängt.
Tonung
Meine Lieblingsebene, die Kurven, kommen nun zum Einsatz. Ich könnt sicher auf X verschiedene Arten euer Bild tonen. Für mich haben sich die Kurven bewährt. Denn ihr könnt ihr jeden Kanal nutzen, Tiefen und Lichter getrennt regeln und die Helligkeit noch mit steuern. Für das Bild habe ich die Tiefen im Blaukanal angehoben und die Mitten fixiert. So bekommt ihr einen gelben Stich. Damit das sonnige, lockere besser rüber kommt habe ich im Grünkanal die Tiefen abgeschnitten.
Helligkeit
Um dem ganzen Bild etwas mehr Kraft zu geben, habe ich die Lichter mit einer Kurve leicht angehoben und die Tiefen geschützt. Das würdet ihr mit einer „Helligkeit & Kontrast“ Ebene nicht hinbekommen.
Licht malen
Ist in dem Fall unwichtig, da ich hier nur etwas im Gesicht aufgehellt habe. Wichtiger ist hier der folgende Schritt.
Schein
Ein Sommerbild hat für mich einen matten Effekt, der das Bild etwas aus graut und für die sommerliche Stimmung sorgt. Lässt sich in Photoshop super umsetzten mit einer Tonwertkorrektur. Ihr müsst einfach den Tiefenregler beim Tonwertumfang nach recht schieben. Und noch eine Maske anlegen. Ich habe diese gefüllt mit einem Verlauf, der von links unten nach rechts oben geht. So das fast nur auf der Wiese der Effekt zum tragen kommt.

Vignette
Die darf nicht fehlen. Eine kleine Vignette ist kein Hexenwerk. Wenn sie wirklich „echt“ wirken soll, dann müsst ihr aber über die Objektivkorrektur gehen. Erstellt eine neue Ebene STRG+UMSCHALT+N wähl als Modus Ineinanderkopieren und setzt den Hacken bei „mit 50% grau Füllen. Auf diese ebene wendet ihr den Filter Objektivkorrektur an und fügt eine Vignette ein.
Ich hoffe ihr habt Informationen für euch gewonnen und könnt damit etwas anfangen. Ich freu mich über Rückmeldungen und Fragen beantworte ich auch gerne. Und jetzt: Kamera schnappen und los legen ;)
